Im Jahr 2024 steht ein Ausflug nach NRW auf dem Programm. Ich mache unter anderem einen Abstecher zum Nürburgring und übernachte in der Motorworld in Köln. Am Rande des Besuch, werde ich auf das Thema Sim-Racing aufmerksam. Am Nürburgring ergibt sich die Möglichkeit 10 Minuten auf einem relativ einfacher Simulator ein paar Runden zu drehen – schon nach kurzer Zeit bin ich begeistert vom hohen Grad der Immersion.
In der Motorworld in Köln sehe ich noch deutlich komplexere Simulatoren von der Firma STL im Betrieb – für eine Probefahrt fehlt mir leider die Zeit – aber die Begeisterung ist geweckt. Ich nehme mir einen Prospekt mit.
Diese Sorte von Simulatoren sind für den gewerblichen Betrieb oder Rennteams gedacht, die realistische Fahrsituationen erzeugen wollen. Ich suche also nach Locations in der Nähe, bei denen ich mal einen dieser Simulatoren testen kann. Ich werde tatsächlich ca. 20 Minuten von uns entfernt fündig und buche mir 60 Minuten. Der Preis pro Stunde ist ordentlich – aber immer noch billiger als eine echte Runde in Portimao. Ich nutze die Stunde um einige virtuelle Runden in Portimao zu drehen, nach der Stunde bin ich total fertig, die Lenk- und Pedalkräfte sind schon ordentlich. In mir wächst die Überzeugung, so ein Simulator ist eine gute Idee!
Ich hole den Prospekt aus Köln hervor und schreibe STL an. Kurze Zeit später, bekomme ich eine Führung via WhatsApp Video call. Was sich durchzieht, bis heute, ist der hervorragende Kundenservice von STL – ich fühle mich sofort gut aufgehoben und bestens betreut. So langsam beginne ich die unterschiedlichen Modelle des Simulators zu verstehen und auch die Dimensionen die das Projekt annehmen könnte. Aber wie beim Autokauf (auch preislich vergleichbar); ohne Probefahrt, geht es nicht. Schliesslich, stelle ich mir immer noch die Frage, ab welcher Stufe merke ich als „Normalo“ keinen Unterschied mehr?
Nach längerer Planung, schaffe ich es einen Vorort Termin bei STL zu verabreden. Die weite Anreise lohnt sich, denn ich kann gemeinsam mit einem Freund alle Modelle durchtesten. Um für mich selber den Abgleich zwischen Realität und Simulator zu machen, nutze ich meine Videoaufzeichnung aus Portugal mit einem GT3 und den Kommandos vom Instruktor. Ich bin erstaunt, wie nahe ich an meine echte Zeit komme. Wenn ich die Tipps aus der Realität auf die Simulation anwende, verhält sich der GT3 im Assetto Corsa täuschend echt. Als ich dann auch noch den virtuellen F2004 von Michael Schumacher mit V10 Gebrüll durch die Eau Rouge in SPA mit Vollgas fliegen lasse, bin ich restlos überzeugt – sowas brauche ich in meinem Leben. Wir bekommen auch eine ausführliche Erklärung zur Konstruktion und Fertigung der Simulatoren.

Am Ende eines sehr coolen des Tages steht meine persönliche Konfiguration und ich lande beim Ultimate. Meine Überlegung zum dem Simulator ist folgende; anstatt ein Winterauto zu kaufen, investiere ich das Geld in einen Simulator und erweitere meine Garage damit virtuell. Damit wird der Fahrspass gänzlich wetterunabhängig und die Rüstzeit bis zum Fahrspass wird minimiert. Zwei Wochen später bestelle ich bei STL und leiste kurz darauf meine Anzahlung.



Der Simulator wird nach meinen Wünschen gefertigt und vorbereitet. Immer wieder bekomme ich Updates zum Fortschritt der Arbeiten per WhatsApp, die Vorfreude steigt. Doch bevor die Lieferung erfolgen kann, müssen erstmal die richtigen Räumlichkeiten her. Der Ultimate baut hoch & breit, normale Türen werden zum Hindernis. Mit einem Gewicht von 600kg trägt man den auch nicht mal eben eine Treppe hoch. Zum Glück werde ich gleich in der Nachbarschaft fündig und kann mir einen „Hobbyraum“ anmieten, der alle Annehmlichkeiten bietet, die es braucht. Mit etwas Kreativität und ein paar Möbelspenden von Freunden, wird die Sim-Racing-Lounge gemütlich dekoriert und ausgerüstet.


Im Sommer 2025 ist es dann endlich soweit – der Ultimate wird geliefert. In einem Sprinter fliegt der Simulator an und der STL Techniker reist zeitgleich zur Installation an. Nach wenigen Stunden ist das Gerät eingerichtet, kalibriert und einsatzfähig. Als Dankeschön für den super Service und die hervorragende Kundenbetreuung machen wir am Nachmittag gemeinsam eine Ausfahrt mit dem Caterham und dem GT3. Zum Abendessen gibt es noch ein ordentliches Steak.
Am nächsten Morgen, steht er da – ready to race… mein eigener Ultimate.
Die Plattform hebt & senkt sich an allen 4 Ecken, der Sitz wird über zwei Aktuatoren gezielt bewegt und die ganze Installation kann am Heck virtuell ausbrechen. Lenk- und Pedalkräfte wie im Rennwagen werden durch robuste Simagic Komponenten erzeugt. Sound kommt aus einer Logitech 5.1 Anlage. Die drei Monitore sind mit dem Rahmen fest verbunden und bewegen sich somit mit. Diese Kombination sorgt für ein noch realistischeren Eindruck und reduziert die Gefahr, dass einem schlecht wird. Das ganze Setup ist nicht drauf ausgelegt, möglichst schnelle Rundenzeiten in der virtuellen Welt zu fahren, sondern eine realistische Simulation des Fahrverhaltens zu bekommen. Wer es nicht ausprobiert hat, versteht meist nicht wo da der Unterschied ist, aber er ist gewaltig.
Schon die ersten Runden auf den Nürburgring sind eine intensive Erfahrung und verdeutlichen das Suchtpotential.
In den ersten Woche bereite ich mich intensiv mit der Hilfe des Simulators auf zwei Trackdays vor. Im direkten Vergleich konnte ich bisher den Caterham und den GT3 auf der Rennstrecke erleben. Es ist aus meiner Sicht nicht verwunderlich, dass Profi Rennfahrer bis hin zu F1 Fahrern Simulatoren nutzen, um sich ausserhalb der Rennstrecke fit zu halten. Nicht nur kann man sich das Layout der Strecke gefahrlos einprägen, sondern auch Schaltpunkte und Bremspunkte schon mal optimieren und so mit einer virtuellen Referenz in den Trackday gehen.

Der Simulator unterstützt unterschiedliche Rennsimulationen, ich nutze das bekannte Assetto Corsa. Damit hat man eine riesige Anzahl von Fahrzeugen und Strecken zur Auswahl. Ohne grössere Probleme kann man Stunde um Stunde mit der Auswahl, dem Testen und Setup der Fahrzeuge für eine Strecke verbringen.
Im Herbst 2025 verbringe ich ein paar Sonntage auf einem „virtuellen Trackday“ mit dem Ultimate. Man glaubt es kaum, aber körperlich ist die Belastung, abgesehen von den fehlenden G-Kräften, vergleichbar mit dem realen Auto. Die Lenkkräfte, Pedalkräfte sowie die Bewegung der Platform lassen das „Spielen“ zum „Sport“ mutieren.

Neben der Nordschleife begeistern mich schnell auch andere Strecken – wie z.B. Bilster Berg. Neben den Porsche GT Fahrzeugen überzeugen auch die virtuellen McLarens, Radicals und Ferraris mit teils unglaublichen Emotionen. Schnell findet man heraus, welche Fahrzeuge sehr gut abgebildet sind und welche weniger gut. Kunos (die Entwicklungsfirma) von Assetto Corsa hat die Fahrzeuge mit enormen Aufwand bis ins letzte Detail des Fahrwerksetups modelliert und sorgt damit für erstaunlichen Realismus. Nach mehreren Monaten, habe ich erst wenige Prozent der Möglichkeiten aus dem Ultimate & der Software herausgeholt. Für mich ist das ein positives Zeichen, denn so zahlt sich die Investition auch in Zukunft noch aus.







Kommentare von JR
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