Seit 2001 gibt es den Nissan X-Trail – in Deutschland ist er nie über 12.000 verkaufte Einheiten pro Jahr gekommen. Die aktuelle Generation versucht es mit e-4orce – ob das besser wird?

e-Force – der X-Trail bedient den Wunsch nach SUV mit Hybrid Antrieb

Ich hatte für 6 Tage das Vergnügen mit einem Nissan X-Trail 1.5 VC e-POWER 214 PS 4WD 5 Sitzer als Mietwagen und konnte gut 2000km damit abspulen.

Hier ist alles verbaut was man braucht… und das auch noch in guter Qualität.
Aufgeräumtes Lenkrad mit echten Tasten.

Zunächst möchte ich Nissan loben. Im Gegensatz zur Renault, scheinen die Japaner das Thema Infotainment unter Kontrolle bekommen zu haben. In den 6 Tagen läuft Android Auto mit & ohne Kabel stabil, schnell und zuverlässig.

Android Auto geht mit & ohne Kabel ohne Probleme – sonst herrscht Ordnung und es gibt echte Tasten!

Insgesamt ist die Bedienung des Japaners auf sehr hohem Niveau und gibt auch keine Rätsel auf. Nissan verbaut für alles saubere Tasten, Wippen oder Rollen – man könnte meinen da sind einige Leute bei Audi in die alte Schule gegangen. Auch die Verarbeitung gibt in den 6 Tagen keinen Grund zur Klage. Selbst 30.000km Dasein als Mietwagen, hat der Innenraum gut überstanden, es klappert und rappelt nix. Einzig die etwas müde Hinterfütterung der Lederapplikationen auf dem Armaturenbrett trübt das ansonsten gute Bild etwas.

Grosse (elektrische) Klappe…
… viel dahinter.

Das Platzangebot im Innenraum ist gut und der Kofferraum im 5 Sitzer is üppig. Den X-Trail gibt es übrigens auch als 7-Sitzer – dann dürfte aber deutlich weniger Kapazität für Koffer übrig bleiben. Praktisch ist er auch sonst, dank vieler Ablagen, Cup-Holder, USB Anschlüssen & Co. Seine Rückfahrkamera & Parksensoren, sowie wie ich finde relativ gute Wendigkeit (für die gebotene Fläche), lassen den X-Trail auch in engen Parkhäusern nicht alt aussehen.

Klein ist er nicht, übersichtlich auch nicht, aber die Parkkamera ist gut!

Die mit Memory Funktion ausgestatteten Sitze sind auch für die Langstrecke geeignet. Zu meiner Überraschung bieten sie guten Seitenhalt, sind angenehm straff gepolstert und selbst auf 7 Stunden Autobahnfahrt noch bequem.

Kurze Pause – Autobahn geht mit dem X-Trail

Das die 7 Stunden auf der Autobahn zügig vorbeigehen, liegt auch an dem vergleichsweise komfortabel abgestimmten Fahrwerk. Zu keiner Zeit hat man das Gefühl all zu sehr in Rollbewegung oder ähnliches zu kommen. Die Federung schluckt auch schlechtere Strassenabschnitte gut. Windgeräusche halten sich bis 160km/h zurück und bei 185km/h laut Tacho ist der Vortrieb eh beendet.

Arbeitsplatz des Fahrers mit guter Ergonomie und Sitz!

Abstandstempomat und Spurhalteassistent machen einen soliden Job und halten den X-Trail sauber auf Abstand zum Vordermann und mittig in der Spur. Dabei könnte die Abstimmung des Tempomaten noch etwas Nacharbeit vertragen, die Beschleunigung bei freier Strecke nach einer Verzögerung erfolgt extrem langsam, so dass man meist selber beschleunigt. Stop & Go Verkehr beherrscht das System hingegen ohne Probleme. Etwas nerviger sind die vielen Warntöne, da muss man sich erstmal eine Strategie zurecht legen um diese zu deaktivieren. Wirklich nervig ist die Geschwindigkeitswarnung, die einen schon bei 1km/h drüber lautstark ermahnt.

e-Pedal und EV Mode… was soll das bitte sein?
e-4orce with e-Power im X-Trail von Nissan … hä?

Hinter dem sperrigen Namen „Nissan X-Trail 1.5 VC e-POWER 214 PS 4WD“ verbirgt sich eine Kombination aus einem 1.5 Liter Dreizylinder Benziner, zweier E-Motoren und einer relativ kleinen Batterie. Dabei treiben die E-Motoren die beiden Achsen an. Der Dreizylinder liefert via Generator Strom entweder direkt für die E-Motoren oder für die Batterieladung. Die 214 PS kommen also alleine von den E-Motoren und nicht aus der Kombination mit dem 158 PS starken Benziner, dieser serielle Hybrid versucht also ein E-Auto mit der Reichweite eines Benziner zu kombinieren.

Zunächst mal – der Antriebsstrang verhält sich insgesamt unspektakulär. Die EV gleiche Beschleunigung zwischen 0 und 100 sowie der Durchzug von 100 bis 160km/h sind okay. Man kommt sich nie langsam vor und kann auch im flüssigen Verkehr jederzeit mithalten – bis 180, dann ist Schluss mit dem Vortrieb.

Bis 180km/h können andere die Heckansicht bewundern….
…sind sie dann vorbeigezogen, kann man die Front bewundern.

Da der Akku relativ klein ist, springt der Benziner sehr schnell an, auch im Stadtbetrieb. Meist ist von dem 3 Zylinder nix zu hören oder zu spüren – nur bei Voll-gas/strom, hört man das Brummen, welches dann aber auch sehr monoton ist und keiner Drehzahlkurve folgt. Bei ganz leichtem Rekupperieren im E-Pedal Modus, hört man ein leichtes Fiepen. Mit einem Drehschalter lassen sich zwischen unterschiedlichen Fahrprogrammen wählen – neben Normal, Eva & Sport gibt es auch noch Schnee & Gelände. Die Traktion auf nasser Strasse war bei meinem Fahrzeug in keinem Modus wirklich gut, das dürfte aber eher an den Reifen gelegen haben.

Übersichtlich gestaltetes Digitales Cockpit

Reichweite auf der Autobahn mit vollem Tank – mehr als 600km werden es selten. Wirklich Sparsam erscheint mir der X-trail nicht und ein Vorteil gegenüber einem reinen BEV konnte er in den 6 Tagen (ausser beim Tanken) nicht ausspielen.

Man betankt den ca. 55 Liter Tank häufig nach, dafür muss man sich keine Gedanken über den Verlust eines Tankdeckes machen.
Gelände, Schnee, Normal, Evo und Sport – Normal oder Eco reichen aus.

Was ich übrigens nicht empfehlen würde – denn da ist der X-trail nicht in seinem Element – Sport Modus und kurvige Landstrasse. Das wirkt eher unharmonisch, Eco & Normal bieten fast den gleichen Speed, wesentlich weniger hektisch agierendem Benziner und das Fahrwerk ist in jedem Modus gleich gutmütig abgestimmt.

Verschiebbare Rücksitze, Raumkonzept kann der X-Trail.

Was muss man für den Japaner eigentlich ausgeben? Ein X-trail in der Ausstattung steht für gute 53.000 CHF laut Liste beim Händler. Im freien Handel gibt es Neufahrzeuge mit gut 10.000CHF Nachlass – offenbar ist die Nachfrage zumindest in der Schweiz nach dem X-Trail nicht gut.

So would you buy one:

Der X-trail ist kein schlechtes Auto. Nissan liefert gute Bedienung, saubere Verarbeitung, viel Platz und Komfort ab – besser als so mancher europäischer Hersteller. Das Motorkonzept ist, sagen wir es mal, gut gemeint, nicht schlecht gemacht aber doch irgendwie witzlos. Der Preis dürfte viele abschrecken. Mich hat das Motorkonzept nicht restlos überzeugt – daher würde ich ihn nicht kaufen.